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Die Staufer und Italien – im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum

Zum Stauferjahr erfolgt diese große historische Ausstellung mit hochrangigen Original-Stücken in institutioneller länderübergreifender Zusammenarbeit von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Etwa 530 Exponate der staufischen Geschichte wie Goldschmiedearbeiten, Skulpturen, Textilien, Elfenbeinschnitzereien, Bildhandschriften, Urkunden und Münzen werden auf 2300 m² in drei Stockwerken gezeigt. Die internationalen Leihgaben aus New York, Bologna, Florenz, Mailand, Neapel, Palermo, Rom, Vatikan und Wien werden in der Mittelalterschau in die bislang einmalig in der deutschen Kulturgeschichte gezeigt.

Die Ausstellung veranschaulicht in sechs Themenabschnitten die wesentlichen gesellschaftlichen und kulturellen Errungenschaften, die während der staufischen Herrschaft die europäische Gesellschaft prägten. Das Rhein-Main-Gebiet, Oberitalien und Sizilien sind die so genannten Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen.

Erstes Ausstellungsthema: „Auftakt: Staufermythen“. Die Ausstellung beginnt mit den Staufermythen, denn das Erbe der Staufer spielt auch in der heutigen Zeit eine Rolle. Die geläufigsten Mythen und Meistererzählungen wie der schlafende Barbarossa im Kyffhäuser (Harz) und die Verherrlichung Friedrichs II. werden hinsichtlich nationaler Instrumentalisierung behandelt.


Zweites Thema: „Die Staufer: Aufstieg einer Familie“
Der Aufstieg der Staufer mit den neuen staufischen Herrschern von Konrad III. (1138-1152) bis Konradin (1262-1268) prägte die europäische Geschichte im Hochmittelalter entscheidend. Anhand der hochkarätigen Exponate wird ausgehend von schwäbischen Herzögen, der Wahl zu römischen Königen, der Erhebung zum römischen Kaiser, der Regentschaft als normannische Könige und Erben des Königreichs Jerusalem der Geschichte der Staufer-Familie nachgegangen.


Drittes Thema: „Italien: Vorbild und Faszination“
Die Bedeutung Roms für die früh- und hochmittelalterliche Herrschaft ist unübersehbar. Romzüge zur Kaiserkrönung gehören seit Karl dem Großen zum Herrschaftsverständnis mittelalterlicher Herrscher. Italien und die Herrschaft in Italien war für manche Herrscher sogar wichtiger als das Reich nördlich der Alpen.
Mit Rom rückten antike Regenten als Vorbilder, deren Herrschaftszeichen sowie Bau- und Kunstwerke der Antike in den Blickpunkt. Exemplarisch wird dies gezeigt zu Aufenthalten und Residenzorten der Staufer in Italien. Höfische Sammlungen kostbarer Dinge wie Gemmen, die nach antikem Vorbild gefertigt wurden, veranschaulichen dies.


Viertes Thema: „Beschleunigung: Drei Kraftregionen im Stauferreich“
Im weiträumigen Herrschaftsbereich der Staufer sind regionale Schwerpunkte zu erkennen. Wichtige materielle und personelle Stützen der Politik waren Bischofsstädte, Pfalzen und Kastelle. Kernregionen waren Regionen an Rhein-Main-Neckar, am Po, sowie das Königreich Sizilien mit Apulien und Kalabrien. Orte wie Mainz, Wimpfen, Mailand und Palermo waren Schauplätze glänzender Hoffeste und Hoftage. Sie waren auch erbitterte Gegner in kriegerischen Auseinandersetzungen und zugleich Horte des Wissens und Zentren künstlerischer Aktivitäten.

Der Besucher durchwandert im Ausstellungsbereich das Stauferreich von Nord nach Süd. Er betritt jede Region durch eine inszenierte Toranlage. Filminszenierungen erwecken mit detailreichen Rekonstruktionen die mittelalterlichen Städte wieder. Gezeigt werden hierzu u. a. der „Thronende König“ (Metopolitan Museum), das Titelmotiv der Ausstellung, und das eindrucksvolle Ensemble der Brückenfiguren aus Capua.


Fünftes Thema: „Gelebte Vielfalt“
Die staufischen Könige und Kaiser herrschten über eine hohe Bevölkerungszahl und vereinten unterschiedlichste Lebensordnungen. Nördlich und südlich der Alpen führten die ungleichen Voraussetzungen zu verschiedenen Lebensverhältnissen. Dieser Ausstellungsteil macht sie für die Besucher erfahr- und erlebbar. Der Alltag im 12. und 13. Jahrhundert wird anhand archäologischer Funde der verschiedenen Regionen gegenüber gestellt.

Sechstes Thema: „Verwandlungen des Stauferreichs“
Hier wird der Frage nach dem Wandel in den drei Regionen hinsichtlich kirchlicher Strukturen, Heiligkeitsidealen, Wissenskultur, gesellschaftlichen Umbrüchen, künstlerischen Aktivitäten und veränderten wirtschaftlichen Bedingungen nachgegangen.


Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches und interessantes Begleitprogramm
sowie eine Audio-Führung mit Hintergrundwissen zu einzelnen Exponaten.

Der Katalog „Die Staufer und Italien“
befasst sich umfassend und gut verständlich mit dem Ausstellungsthema. Namhafte Wissenschaftler der verschiedensten Fachrichtungen setzen sich in Essays darüber auseinander. Bedeutende originale Zeugnisse und Pretiosen, von denen viele nie zuvor in Deutschland zu sehen waren, lassen hier das staufische Zeitalter erneut lebendig werden. Die kostbaren Leihgaben der internationalen Museen sind im Katalog bestens abgebildet. So kann man sich mit den außergewöhnlichen Ausstellungs-Objekten gut befassen.

Der Katalog eignet sich auch hervorragend als Nachschlagewerk.


Die sehenswerte und prächtige Ausstellung geht auf drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa unter den Staufern ein. Anhand der einzigartigen Exponate wird gezeigt wie die Innovationen und Entwicklungsschübe in der Ära der Staufer zwischen 1138 und 1268 Europa veränderten.

Diese einzigartige Ausstellung sollte man sich nicht entgehen lassen!

Ausstellungsort: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Museum Zeughaus C 5, 68159 Mannheim

Öffnungszeiten: 19. September 2010 bis 20 Februar 2011
Täglich (Mo – So, auch an Feiertagen) 11- 18 Uhr
24. und 31.12.2010 geschlossen

Weitere Infos: www.staufer2010.de

Katalog: Die Staufer und Italien
Hrsg.: Alfried Wieczorek, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter
Konrad Theiss Verlag,
2 Bände im Schuber, zusammen ca. 800 Seiten, ca. 900 Abb. (zumeist farbig),
Museumsausgabe € 39,90 Buchhandelsausgabe bis 31.3.2011 € 59,90 danach € 69,90
 

Weitere Bücher zum Thema:

Die Staufer – Ein europäisches Herrschergeschlecht
Staufisches Kaisertum im 12. Jahrhundert – Konzepte – Netzwerke – Politische Praxis
Verwandlungen des Stauferreichs
Friedrich II. – Der Sizilianer auf dem Kaiserthron
Burgen und Pfalzen der Staufer – Ein Ausflugsführer
Reiselust Stauferzeit – Ausflugsziele an Rhein, Main und Neckar
Friedrich Barbarossa

November 2010

© Gabriele Becker, Journalistin

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