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Hexenlust und Sündenfall - Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien – Im Städel Museum Frankfurt

Die gut gemachte Ausstellung ermöglicht mit ihren vielen Wandtexten schnell das Verständnis der damaligen Zeit und das Außergewöhnliche der 50 Exponate.

Hans Baldung genannt Grien (1484/85–1545) war einer der bedeutendsten deutschen Maler des 16. Jahrhunderts und der wohl talentierteste Zeitgenosse und Schüler Albrecht Dürers.

Der große deutsche Renaissancekünstler fertigte zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche, aber auch Holzschnitte und Glasmalereien für kirchliche und private Auftraggeber. Dabei beschränkte er sich in seinen Werken nicht auf traditionelle religiöse Sujets, sondern wandte sich während seiner gesamten Schaffensphase immer wieder seinem Lieblingssujet zu: dem Frauenkörper.

Baldung war fasziniert, ja geradezu besessen vom nackten weiblichen Körper, dem er immer wieder neue Interpretationen abgewann, so z. B. als sündiger Eva oder als blutjunger, vom Tode bedrohter Schönheit. Vor allem aber dienten ihm die weiblichen Akte zur Gestaltung eines Themas, das in jener Zeit die Gemüter bewegte und an das sich vor ihm kaum ein Künstler gewagt hatte: die Darstellung von Hexen. Wiederholt hat Baldung die Hexen und ihre mysteriösen Rituale in Zeichnungen und Drucken geschildert; ein einziges Mal hat er sie auch gemalt.

Sein Frankfurter Gemälde „Die zwei Hexen“ steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die sämtliche Hexendarstellungen Hans Baldung Griens präsentiert: delikate, mit dem Betrachter als lüsternem Voyeur kalkulierende Hell-Dunkel-Zeichnungen auf getönten Papieren ebenso wie Holzschnitte, die zu den allerersten Experimenten mit dem Farbdruck gehören.

In den neun verschiedenen Stationen der Ausstellung werden insgesamt über 40 Exponate von Baldung und weiteren Künstlern das einzigartige Tafelbild in den Kontext zeitgenössischer Anschauungen und in Baldungs Gesamtwerk einordnen. Damit wird dem Besucher ein Erfahrungshorizont eröffnet, den auch ein zeitgenössischer Betrachter des Bildes um die Mitte des 16. Jahrhunderts gehabt haben könnte.

Der sorgfältig zusammengestellte Ausstellungskatalog geht auf alle Exponate ausführlich ein. Er erläutert die spezielle Thematik dieser Ausstellung einschließlich Hexenverfolgung und macht auch deutlich, dass die Ausstellungstücke seinerzeit für private Kunstkammern geschaffen wurden.

Die sehenswerte Ausstellung zeigt sämtliche Hexendarstellungen Hans Baldung Griens, ein Thema an dem sich kaum ein Künstler vor ihm gewagt hatte.


Ausstellungsort:

Städel Museum Frankfurt

Öffnungszeiten:

Vom 24. Februar 2007 – 13. Mai 2007
Dienstag, Freitag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 10.00 – 21.00 Uhr

Weitere Infos:

www.staedelmuseum.de

Katalog:

Hexenlust und Sündenfall. Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien
Hrsg.: Bodo Brinkmann,
Imhof Verlag,
272 Seiten, 149 Abb., Museumsausgabe
ISBN 978-3-86568-225-3, € 29,90

Stand: März 2007

© Gabriele Becker, Journalistin

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