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Cranach der Ältere - im Städel Museum Frankfurt
Diese beachtenswerte Ausstellung des Städel Museums geht ausgehend vom eigenen hochwertigen Cranach-Bestand der Entwicklung seines gesamten Werks nach und versucht die Frage zu beantworten: Was machte Lucas Cranach so erfolgreich?
Aufgrund der hohen Qualität der insgesamt über 100 gezeigten Werke vermittelt diese Cranach-Ausstellung einen anschaulichen Eindruck von seiner künstlerischer Meisterschaft, vom Erschaffen neuer Bildtypen und seinen erotischen Darstellungen mit denen er ein zeitloses Ideal erotischer Darstellungen schuf.
Seinen Erfolg verdankte er vor allem der hohen Qualität seiner Werke. Cranachs Talent lag auch in seinem sicheren Umgang mit unterschiedlichen Auftraggebern des Hochadels und altgläubigen Klerus, reichen Patriziern sowie den Anhängern Luthers. Diese Diversifizierung ging über die bildende Kunst hinaus: Zu Cranachs Imperium gehörte auch eine Apotheke mit Weinausschank, er tätigte Immobiliengeschäfte und betrieb eine Druckerpresse, war Verleger und Buchhändler. Lucas Cranach verstand es, Kunst und Kommerz zu seinem Vorteil zu verbinden. Als Sohn eines Malers aus Kronach in Franken machte der ehrgeizige Cranach seinen entscheidenden Karrieresprung am Hof des sächsischen Landesherrn Friedrich des Weisen. Von jenem wurde Cranach auch das rätselhafte Schlangensignet verliehen, das bald zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen wurde und die Bilder seiner Werkstatt bezeichnete.
Cranach entwickelte einen einzigartigen Stil, der von seinen Mitarbeitern perfekt umgesetzt werden konnte. Als Bildnismaler steht Cranach gleichberechtigt neben den bedeutendsten deutschen Porträtisten des 16. Jahrhunderts. Dabei zeigen seine Porträts weniger das Streben nach einer rein objektiven, naturgetreuen Wiedergabe als vielmehr den Versuch, die Dargestellten auch durch Emotionen zu charakterisieren.
In Wittenberg etablierte sich der Künstler rasch und baute durch sein unternehmerisches Geschick ein gewaltiges Kunstimperium nördlich der Alpen auf. Eng befreundet mit Martin Luther avancierte Cranach zum Propagandisten der protestantischen Lehre. Seine Porträts von Luther wurden in Serie gemalt und verbreitet. Cranach war maßgeblich an der Entwicklung einer protestantischen Bildsprache beteiligt, blieb aber gleichzeitig auch seinen altgläubigen Auftraggebern treu: Traditionelle Madonnen- und Heiligenbilder entstehen weiterhin in großen Stückzahlen.
Cranachs unerschöpfliche Gabe zu neuen Bildformulierungen zeigt sich schließlich in seinen Darstellungen profaner und mythologischer Inhalte. Ungleiche Paare, Venus und Amor oder die Taten des Herkules werden in zahlreichen Versionen durchgespielt. Zur Spezialität werden dabei erotische Aktdarstellungen, in denen Cranach einen idealisierten, zierlich-eleganten Typus der „Kindfrau“ entwickelt, der in immer neuen Variationen und Kontexten zur Darstellung kommt.
Das sehenswerte Triptychon mit der Heiligen Sippe aus dem Städel Bestand wird nun nach der umfangreichen und sehr gelungenen Restaurierung gezeigt.
Die Ausstellung zeigt zahlreichen Leihgaben. Dies ermöglicht Bilder in einer Zusammenstellung zu sehen, die ihresgleichen sucht. So kann man das Motiv Kardinal Albrecht von Brandenburg als Hieronymus in der Studierstube einmal als Bild von 1525 (Hessisches Landesmuseum Darmstadt) und daneben angeordnet als Bild von 1526 (State Art Museum of Florida) sehen und vergleichen.
Der vom Kurator der Ausstellung sorgfältig zusammengestellte umfangreiche Ausstellungskatalog geht auf die Kunstwerke und deren Hintergrund ausführlich ein. Er erläutert umfassend Cranachs Werdegang und eignet sich hervorragend auch als Nachschlagewerk.
Für Kinder ab 12 Jahren gibt es ein interessantes Begleitheft.
Außerdem bietet das Städel Museum ein umfangreiches Begleitprogramm an.
Die sehenswerte Ausstellung zeigt einen hochkarätigen Querschnitt aus Cranachs Schaffen und gibt einen einmaligen Überblick über sein Werk.
| Ausstellungsort: |
Städel Museum Frankfurt |
| Öffnungszeiten: |
23. November 2007 bis 17. Februar 2008,
Dienstag, Freitag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 10.00 – 21.00 Uhr |
| Weitere Infos: |
www.staedelmuseum.de |
| Eintritt: |
10 €, ermäßigt 8 €, Familienkarte 18 €, Kinder bis 12 J. frei |
| Katalog: |
Cranach der Ältere
Hrsg.: Bodo Brinkmann
Hatje Cantz Verlag, 400 Seiten, 325 Abb.,
Museumsausgabe (Broschur) ISBN 978-3-7757-2007-6
€ 34,90, Buchhandelsausgabe (Hardcover) € 45,00 |
November 2007
© Gabriele Becker, Journalistin Weitere Artikel zum Thema:
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