300 Jahre europäische Porzellankunst – sehenswerte Sonderausstellungen
Durch den sächsischen Kurfürsten und König von Polen, August dem Starken (1670-1733), wurde am 23. 1.1710 die Porzellanmanufaktur Meißen, als erste in Europa, gegründet.
Das „weiße Gold“ aus Sachsen war eines der begehrtesten Luxusgüter der europäischen Fürstenhöfe. Lange ließ sich das Geheimnis der Porzellanherstellung nicht bewahren. So wurden nach und nach weitere Manufakturen in Deutschland und Europa gegründet.
Nun zeigen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Berlin in zwei Ausstellungen in Dresden und Berlin ranhand ausgewählter Exponate die Vielfalt der damaligen Zeit. Teilweise werden solche Stücke noch heute von den Porzellanmanufakturen hergestellt.
Im Japanischen Palais in Dresden ist die Ausstellung „Triumph der blauen Schwerter. Meissener Porzellan für Adel und Bürgertum 1710- 1815“ zu sehen.
August der Starke hatte das Porzellanschloss seinerzeit zum Präsentieren seiner Porzellane aus Ostasien und Meißen geplant, jedoch wurde das Projekt nicht ganz vollendet.
Hier sind nun ca. 800 Porzellan-Exponate vom Barock bis Biedermeier ausgestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Tafelservice gewidmet. Es hatte zum einen die Tischkultur verändert und zum anderen besondere Bedeutung als diplomatisches Geschenk gehabt. Opulent werden zwei Service auf einer Tafel präsentiert, das sog. „Möllendorff-Service“ und das Service mit „Preußisch-musikalischem Dessin und grünen Schuppenrand“.
Die Ausstellung geht auch auf den Konkurrenzkampf der Manufakturen seinerzeit ein.
Bis 1756 war Meißen die tonangebende Manufaktur und musste sich nach den Krisen des siebenjährigen Krieges und der napoleonischen Kriege neu behaupten.
Die Dresdener Ausstellung ermöglicht einen Überblick über die künstlerische und technische Entwicklung des Meißner Porzellans und öffnet durch sozial- und wirtschaftshistorische Fragestellungen einen neuen Blick.
Der Katalog „Triumph der blauen Schwerter“ ist durchgängig bebildert.
Der erste Teil befasst sich zunächst mit dem Meißner Porzellan von 1710-1763 als glanzvollen Auftakt und von 1763 – 1815 als Fragestellung zu empfindsam, aufgeklärt und klassisch. Ausführlich wird auf Meißener Porzellanplastik vor Kirchner und Kaendler sowie auf die Arbeiten Johann Friedrich Kaendlers eingegangen. Zu den Ausrufern für die Tafel (Cris de Paris), der religiösen Plastik (römische Manier), zur Verwendung grafischer Vorlagen und zu berühmten Tafelservicen des 18. Jahrhunderts gibt es umfangreiche Kapitel im Katalog. Zur Platmenage als Mittelpunkt der Tafel, Tradition und Innovation in Zucker und Porzellan und zu Meißener Porzellan als Festdekor ist vieles nachzulesen. Mit dem Verhältnis von Friedrich dem Großen zum Porzellan sowie mit Sächsischen Porzellan als Diplomatie befassen sich gesonderte Abschnitte.
Der bestens bebilderte Katalogteil zeigt die hochkarätigen Ausstellungsstücke thematisiert zu Leidenschaft für Porzellan, Frühem Meißener Porzellan, mit Johann Gregorius Höroldt und seiner Malerwerkstatt, mit ostasiatischen Vorbildern, Unterglasurblau, Fondfarben, Tafel und Service, Plastiken und Galanterie, Spätrokoko und Klassizismus. Auf die Exponate wird jeweils detailliert eingegangen.
Das Buch eignet sich hervorragend als Nachschlagewerk.
Die Ausstellung im Stadtmuseum Berlin „Zauber der Zerbrechlichkeit. Meisterwerke europäischer Porzellankunst“ befasst sich mit etwa 500 Exponaten aus dem 18. Jahrhundert.
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden viele neue Produktionsstätten für Porzellane infolge des Booms. Diese Manufakturen beschritten innovative Wege und stellten eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Meißen dar. Meißen büßte so seine Vorherrschaft ein und Berlin und Sèvres übernahmen die Führungsrolle.
Die Ausstellung präsentiert die Exponate zum einen geordnet nach Manufakturen und zum anderen zusammengestellt zu chronologischen Schwerpunkten. So wird die Entwicklung der Manufakturen und der Zauber dieser Porzellane deutlich.
Der Katalog „Zauber der Zerbrechlichkeit “ ist durchgängig bebildert.
Zunächst befasst sich der Katalog mit den Wechselbeziehungen zwischen der Manufaktur Meißen und den europäischen Manufakturen im 18. Jhh.
Dann wird bestens bebildert auf die Exponate der einzelnen Manufakturen wie Vezzi, Chantilly, Chelsea, Sèvres, Höchst, Fürstenberg, Franeknthal, Limoges etc. detailliert und informativ eingegangen.
Diplomatische Geschenke an den Herzog von Wellington nach 1815 nach geschlagener Schlacht werden in einem gesonderten Abschnitt vorgestellt.
Das Buch eignet sich hervorragend als Nachschlagewerk.
Diese sehenswerten und gelungenen Ausstellungen sollte man sich nicht entgehen lassen.
Ausstellungsorte: Dresden im Japanischen Palais:
Triumph der blauen Schwerter
Berlin im Ephraim-Parlais:
Zauber der Zerbrechlichkeit
Öffnungszeiten: Vom 9. Mai bis 29. August 2010
Dresden:
Täglich 10.00 – 18.00 Uhr, donnerstags bis 21.00 Uhr
Berlin:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch 12.00 – 20.00 Uhr
Montags geschlossen
Weitere Infos/
Rahmenprogramm: www.skd.museum und www.stadtmuseum.de
Kataloge: Triumph der blauen Schwerter
Hrsg.: Ulrich Pietsch und Claudia Banz, E. A. Seemann-
Verlag, 416 Seiten, 709 farbige und 23 s/w Abbildungen
Museumsausgabe € 39,90
Buchhandelsausgabe, geb.,
ISBN 9-783-3-86502-237-0, € 49,90
Zauber der Zerbrechlichkeit
Hrsg.: Ulrich Pietsch und Theresa Witting, E. A. Seemann-
Verlag, 368 Seiten, 450 farbige Abbildungen
Museumsausgabe € 39,90
Buchhandelsausgabe, geb.,
ISBN 9-783-3-86502-238-7, € 49,90
Stand: Juli 2010
© Gabriele Becker
© Gabriele Becker, Journalistin Weitere Artikel zum Thema:
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